Sonntag, 12. Juli 2015

Der Blick fürs Wesentliche - Ein Wort zum Sonntag



Ich schaff das alles sowieso nicht, ich brech das Studium ab, ich werde niemals einen Uniabschluss haben und niemals in diesem Leben werde ich diese Klausur bestehen! 

Jedes Mal vor einer Klausur kriege ich die Krise. Wirklich jedes Mal. Heulend jammere ich meinem Freund vor, wie furchtbar doch alles ist. Und egal was er sagt, um mich zu beruhigen, ich hör eh nicht drauf. Es ist jedes Mal das Gleiche. Und trotzdem, irgendwie schaffe ich es trotzdem fast immer, die Klausuren zu bestehen. Manchmal nicht so glorreich, aber immerhin bestanden. Und alle sagen, ich hab's doch gleich gesagt, du stellst dich immer an.

Und ja, sie haben Recht.
Ich jammere und heule rum, anstatt diese Zeit sinnvoll zum Lernen zu nutzen. Und das Schlimmste ist: Ich bin in diesen Momenten so auf mich und meine vermeintlich ausweglose Situation fixiert, dass ich vergesse, wie viele wichtigere, wie viele essenziellere Probleme meine Mitmenschen haben.
Nachdem ich aus der letzten Klausur mit gemischten Gefühlen nach Hause ging, rief ich auf dem Weg meine Mutter an, um ihr von der Klausur zu erzählen. Stattdessen berichtete sie mir von meiner Oma und meiner Patentante, die beide an diesem Tag eine sehr schwere Operation hinter sich hatten. Das wusste ich zwar, hatte es aber einfach total verdrängt. Weil ich so sehr mit mir selbst beschäftigt war. In diesem Moment habe ich mich ganz schön schlecht gefühlt und mich geschämt. Dafür, dass ich jedes Mal so ein unbegründetes Drama veranstalte. Dafür, dass ich mich ab und zu nur auf meine banalen Problemchen fixiere und das Wesentliche für den Moment aus den Augen verliere. 


Denn, ganz ehrlich, was interessiert mich eine versemmelte Klausur, wenn meine Oma bei ihrer OP gestorben wäre? Was zählt schon eine schlechte Note, wenn ich darüber nachdenke, dass andere Menschen in meinem Alter unheilbar an Krebs erkranken? Was sind meine "Existenzängste" als Studentin in Deutschland im Vergleich zu dem Leid, das Millionen Menschen auf dieser Erde durchstehen, weil Sie aus ihrem Land fliehen müssen? 




Lieber sollte ich tanzen vor Freude darüber, dass es mir gut geht! Dass ich etwas studieren darf, was mir Spaß macht! Dass ich tolle Freunde habe! Und eine Familie, die in jeder Lebenslage hinter mir steht!
Viel zu oft vergessen wir, wie privilegiert wir sind und wie glücklich wir uns schätzen können, dass wir gesund sind und in einem friedlichen Land aufwachsen dürfen. Dass wir frei unsere Meinung äußern können. Vergessen, dass es Menschen auf dieser Welt gibt, die diese Möglichkeiten nicht haben. Dass eine schlechte Klausur ein Luxusproblem ist und definitiv nicht das Ende der Welt bedeutet.




Natürlich gibt es Momente, in denen man am Boden ist und nur im Selbstmitleid baden will. Und das ist ja auch nichts Schlimmes. Solange wir uns immer wieder vor Augen führen und darüber nachdenken, wie viel Positives unser Leben bestimmt, bevor wir unsere eigene Welt wegen Kleinigkeiten zusammenbrechen lassen.


Alles Liebe,


Kommentare:

  1. Schöner Post und vor allem tolle Fotos!
    Ich kenne das selbst nur zu gut. Ich schiebe auch immer sie größte Panik vor einer Klausur und meine, dass es total schlecht wird und am Ende ist es dann meistens gar nicht soo schlecht. Aber ich kann's einfach nicht abschalten. :(

    Da ich euren Blog sehr schön und süß finde, folge ich euch ab sofort auch mal. :)

    Vielleicht habt ihr ja auch mal Lust, bei mir vorbeizuschauen. Ich schreibe neuerdings auch über Verschiedenes und vor allem auch über positive, motivierende Sachen. ❤
    http://perfektion-ist-langweilig.blogspot.de/?m=1

    Liebe Grüße,
    Nadine.

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    1. Hey Nadine, vielen dank für deinen lieben Kommentar :) Wir schauen sehr gern mal vorbei! Liebe Grüße

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  2. Toller Post, du tickst ja genau wie ich ;) Die Fotos sind übrigens super, dein Outfit gefällt mir richtig gut!

    Hier geht's zu meinem Blog – Über neue Leser würde ich mich sehr freuen!

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